Könnten Medikamente, die normalerweise zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, auch im Kampf gegen Krebs helfen? Dieser spannenden Frage geht das Forschungsteam des EB-Haus Austria nach.
Beim Jahreskongress 2026 der European Association for Cancer Research (EACR) in Budapest präsentierte EB-Forscherin Dr.in Daniela Stoica-Andrei aktuelle Ergebnisse, die neue Perspektiven für die Behandlung von Hautkrebs bei Menschen mit rezessiver dystropher Epidermolysis bullosa (RDEB) eröffnen könnten. Der internationale Kongress brachte führende ExpertInnen aus Wissenschaft, Klinik und Industrie zusammen, um neueste Erkenntnisse der Krebsforschung zu diskutieren und innovative Therapieansätze vorzustellen.
Können Cholesterinsenker auch Krebs bekämpfen?
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehen sogenannte Statine. Diese Medikamente werden seit vielen Jahren zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt. Doch möglicherweise können sie noch mehr: Studien in der Bevölkerung haben untersucht, ob Menschen, die Statine einnehmen, ein geringeres Krebsrisiko haben. Auch Laboruntersuchungen liefern interessante Hinweise: Statine können unter bestimmten Bedingungen das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Damit rücken die Medikamente als möglicher neuer Ansatz in der Krebstherapie in den Fokus. Noch ist allerdings ungeklärt, wie sie gezielt zur Krebsbehandlung eingesetzt werden können und ob sie auch gegen Tumore bei RDEB wirksam sind.
Vielversprechende Ergebnisse – aber auch neue Herausforderungen
Genau hier setzt die Forschung am EB-Haus Austria an. Dr.in Daniela Stoica-Andrei stellte in Budapest aktuelle Ergebnisse aus Zellkulturexperimenten mit dem Statin Lovastatin vor. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf Plattenepithelkarzinome (SCC), eine besonders aggressive Form von Hautkrebs, die bei Menschen mit RDEB zu schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.
Lovastatin konnte das Wachstum von RDEB-assoziierten Krebszellen im Labor verlangsamen. Allerdings zeigte sich auch eine Herausforderung: Unter bestimmten Bedingungen können sich die Tumorzellen an die Behandlung anpassen und so der krebshemmenden Wirkung entgehen. Das Forschungsteam untersuchte deshalb, ob sich dieser Effekt durch die Kombination von Statinen mit anderen Medikamenten verhindern lässt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass derartige Kombinationen möglicherweise verhindern können, dass sich die Krebszellen an die Statinbehandlung anpassen. Dadurch ließe sich die krebshemmende Wirkung verstärken und das Tumorwachstum wirksamer verlangsamen.
Internationale Vernetzung für neue Therapieansätze
Die Präsentation beim EACR-Jahreskongress stieß auf Interesse und führte zu wertvollen Gesprächen mit Forschenden aus der Wissenschaft sowie VertreterInnen der Industrie. Der internationale Austausch machte einmal mehr deutlich, wie dringend neue Behandlungsmöglichkeiten für aggressive Plattenepithelkarzinome bei Menschen mit EB benötigt werden.
Die aktuellen Forschungsergebnisse liefern dafür wichtige Anhaltspunkte. Auch wenn noch weitere Untersuchungen notwendig sind, zeigen sie, welches Potenzial in der Erforschung bereits bekannter Medikamente und neuer Wirkstoffkombinationen liegen könnte.
Dr.in Daniela Andrei-Stoica bei ihrer Laborarbeit zur Krebsforschung © DEBRA Austria
Präsentation der Forschungsergebnisse beim Jahreskongress der European Association for Cancer Research (EACR) © DEBRA Austria
Dr.in Daniela Andrei-Stoica und Projektleiter Dr. Roland Zauner bei der Analyse der Ergebnisse der Zellkulturexperimente © DEBRA Austria